Rede zum Umgang mit dem neuen Bundesfreiwilligendienst

Herr Präsident, meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen

und Kollegen! Wir haben vor wenigen Tagen im

zuständigen Ausschuss genau über dieses Thema gesprochen.

Die Kolleginnen und Kollegen der Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die diesen Antrag eingebracht

haben, haben damals genau dieselben Fragen

gestellt, die sie auch heute schriftlich eingereicht haben.

 

Hier stellt sich die Frage, ob Sie mit den Ausführungen

Ihrer eigenen Ministerin nicht zufrieden waren. Warum

bringt man das heute noch einmal vor? Ich empfehle,

zukünftig die Fraktionssitzungen für solche Fragen zu

nutzen. Das würde sich anbieten.

 

Frau Kollegin Anklam-Trapp, Sie haben einen historischen

Rückblick gehalten und ein ratloses Plenum vorgefunden
und zurückgelassen. Wir wissen jetzt wirklich

nicht mehr, was Sie wollen. Wollen Sie wieder die Einführung

der Wehrpflicht?

 

Meine Damen und Herren, grundsätzlich ist es gut und

richtig, dass wir über dieses wichtige Thema des
Bundesfreiwilligendienstes sprechen. Es ist zehn Wochen

nach der Einführung auch Zeit, eine erste Bilanz zu

ziehen.

 

Man kann sagen, die soziale Infrastruktur

ist erhalten geblieben. Wir haben gute Rückmeldungen

von den Trägern und auch von den Menschen,

die sich im Bundesfreiwilligendienst engagieren. Ich

finde, das ist eine gute Meldung, über die wir uns freuen

können.

 

Auch die Zahlen bestätigen das. Wir haben – ich sage

es bewusst – vielen Unkenrufen zum Trotz gute Zahlen.

Zwei Monate nach Beginn des Dienstes waren es auf

Bundesebene 12.000 Menschen. Mittlerweile sind es

mehr. Ich glaube, das lässt die berechtigte Vorhersage

zu, dass es mehr werden, Platz nach oben ist und wir es

gemeinsam schaffen, das Ganze sukzessive aufzubauen.

 

Meine Damen und Herren, um eines klar zu sagen, weil

es hier immer wieder so anklingt: Der Bundesfreiwilligendienst

ist keine Konkurrenz zum Freiwilligen Sozialen Jahr.

Er ist eine sinnvolle und notwendige Ergänzung. Der

Bundesfreiwilligendienst ist, auch wenn es Überschneidungen

gibt, die gar nicht verkehrt sind, konzeptionell

und substanziell anders angelegt, weil man ganz andere

Menschen ansprechen möchte. Ein Blick auf die Altersstruktur

bestätigt das.

 

Bereits zu Beginn sind 20 % der Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst

über 27 Jahre. Das heißt, diesen Menschen,

die sich für unser Gemeinwohl engagieren, wäre

das Freiwillige Soziale Jahr verschlossen geblieben. Ich

glaube, man kann mit Recht sagen, dass davon ausgegangen

werden kann, dass sich die Anzahl der Menschen

höheren Alters – ich spreche von einem wesentlich

höheren Alter als 27 Jahre – erhöhen wird.

Dabei geht es um Menschen, die aus dem Erwerbsleben

aussteigen und sich nicht auf das Altenteil zurückziehen

wollen, sich aber noch fit fühlen und ihre Fähigkeiten zur

Verfügung stellen wollen.

 

Der Bundesfreiwilligendienst

stellt auch insbesondere für Frauen – das ist vorhin

angeklungen – eine hervorragende Möglichkeit dar, die

sich nach einer längeren Familienphase wieder ins Erwerbsleben

einfinden wollen, Kontakte suchen und eine

Brücke brauchen.

 

Diese Möglichkeit wird auch schon genutzt. Ich habe

gerade mit einer Frau gesprochen, die in einem Altersheim

arbeitet. Das hätte sie sich nie vorstellen können.

Sie hat aber Spaß an dieser Tätigkeit und überlegt, sich

nach Ablauf des Freiwilligendienstes beruflich weiterzubilden

und zu engagieren. Das sind genau die Biografien,

die wir fördern wollen.

 

Meine Damen und Herren, vor der gewaltigen demografischen

Herausforderung, vor der wir alle stehen, ist es

ein Gebot, dass wir die Potenziale dieser Menschen

nutzen. Ich muss es nicht weiter ausführen, dass das

gerade der Personenkreis ist, der hervorragend qualifiziert

ist. Diese Männer und Frauen sind bis in die Haarspitzen

motiviert. Deshalb müssen wir auch eine Tätigkeit

für die Gesellschaft ermöglichen.

 

Meine Damen und Herren, ich will noch eine Sache

sagen, weil sie mehrfach angesprochen wurde. Es geht

um die probeweise Abfrage.

Frau Ministerin, ich habe Sie vorhin danach gefragt, was

der Hintergrund dieser Abfrage war. Sie haben nicht

gesagt, ob Sie nicht wollten oder konnten. Ich kann es

Ihnen sagen. Zu Anfang des Jahres sind im Bundesministerium

ganz viele Beschwerden von Menschen aufgelaufen,

die sich gern engagiert hätten und Stellen im

Bundesfreiwilligendienst gesucht, aber keine gefunden

und nur Absagen bekommen haben. Ich denke, dann ist

es nachvollziehbar, wenn ein Ministerium recherchiert

und einmal nachschaut, wo es vor Ort nicht klappt.

 

Hier werden vom Bund 350 Millionen Euro in die Hand

genommen. Deshalb ist es eine Verpflichtung zu schauen,

dass diese Steuergelder auch dem Sinn entsprechend

verwandt werden und dort ankommen, wo sie

vorgesehen sind. Ich denke, das kann man nachvollziehen.

Es taugt auch nicht, das Thema zu skandalisieren

oder hochzuziehen. Es ist längst hinter dem Pflug. Das

ist ausgesprochen worden. Die Träger und das Bundesministerium

haben sich geeinigt.

 

Ich glaube, man ist auf einem guten Weg. Das Ganze

entwickelt sich hervorragend. Bitte beteiligen Sie sich

daran. Herzlichen Dank.