Pressekonferenz "Qualität frühkindlicher Bildung sichern"

Hintergrund

• Seit 2008 thematisiert die CDU-Landtagsfraktion immer wieder die Gefahr eines Erzieherinnenmangels: (Kleine Anfragen (bspw. 15/3596, 15/3812, 16/1429), Große Anfrage (15/ 3217), Behandlung des Themas im Bildungsausschuss (27.10.2009), Pressemitteilungen (06.05.2009, 31.08.2009, 30.07.10), Aktuelle Stunde im rheinland-pfälzischen Landtag (23.07.10, 30.08.12); Behandlung im Ausschuss für Integration, Familie, Kinder und Jugend (01.11.2011, 24.04.2012)

• Im Jahr 2009 stellte die CDU-Landtagsfraktion eine Große Anfrage unter anderem zum Thema Erzieherinnenmangel. Diese brachte zu Tage, dass die Ausbildungskapazitäten seit Jahren im Sinken begriffen waren. Parallel war jedoch damals schon klar, dass ab 2010 ein Rechtsanspruch für Zweijährige und ab 2013 ein Rechtsanspruch für Einjährige greifen wird. Dennoch antwortete die Landesregierung im Rahmen der Großen Anfrage zum Thema Erzieherinnenmangel, man müsse die Zahlen differenziert betrachten, da die Kinderzahlen zurückgingen und arbeitsuchende Fachkräfte zur Verfügung stünden. Seit 2007 hat die Landesregierung wichtige Jahre verstreichen lassen, um dem Erzieherinnenmangel entgegenzuwirken. In diesen Jahren wurde sowohl der Rechtsanspruch für die unter Dreijährigen als auch die Beitragsfreiheit ab dem zweiten Lebensjahr für den Kindergarten beschlossen. Ab diesem Zeitpunkt war deutlich vorhersehbar, dass mit einem deutlichen Bedarfsanstieg an Erzieherinnen und Erzieher zu rechnen sein wird.

• Die Studie von Herrn Prof. Sell und Frau Kersting im Auftrag der Landesregierung aus dem Jahr 2010 hatte zum Ergebnis, dass dauerhaft mindestens 2000 Erzieherinnen und Kindertagespflegepersonen fehlen.


Versäumnisse der Landesregierung:

• Die Studie von Herrn Prof. Sell weist explizit darauf hin, dass Erzieherinnen nicht sehr mobil sind. Deshalb stellen sich die Bedarfe regional äußerst differenziert dar. Eine folgerichtige regionale Erhebung des Erzieherinnenmangels, wie sie beispielsweise Hessen durchgeführt hat, ist bis heute nicht erfolgt.

• Die Fachschulkapazitäten sind in Rheinland-Pfalz bis 2009 gesunken. Heute hat Rheinland-Pfalz erst wieder das Niveau von 2006 erreicht. Andere Bundesländer haben schneller reagiert. So hat Hessen seine Fachschulkapazitäten gegenüber 2005 um 50 Prozent steigern können.

• Die Kritik an der Erzieherinnenausbildung wurde zu lange nicht berücksichtigt. Neue Anstöße, die Erzieherinnenausbildung in eine duale Berufsausbildung umzuwandeln, wurden nicht aufgegriffen.

• Wichtige Anregungen des Gutachtens von Herrn Prof. Sell und Frau Kersting werden bis heute ignoriert. So warnt beispielsweise das Gutachten vor der Gefahr, dass akademisch ausgebildete Fachkräfte eine recht kurze Verweildauer in den Kindertagesstätten haben. Dieses Problem besteht bis heute fort. Zudem legt das Gutachten, aufgrund der Beitragsfreiheit, eine höhere Bedarfsquote nahe. Trotzdem macht sich die Landesregierung bis heute die Richtwerte für die U3-Betreuungsquote von 35 Prozent aus dem Jahr 2008 zu Eigen.


Folgen des Erzieherinnenmangels:

• Häufiger Personalwechsel in den Gruppen. Dies ist für die dringend notwendige Erzieherinnen-Kind Bindung fatal.

• Stellen bleiben länger vakant, was zur Zusammenlegung von Gruppen führen kann. Zudem können kurzfristige Personalengpässe nicht abgefedert werden.

• Der berufliche Druck auf die verbliebenen Erzieherinnen steigt. Dies verstärkt den Trend zur Teilzeittätigkeit und zum vorzeitigen Berufsausstieg.

• Der Erzieherinnenmangel bringt massive Unruhe in die Kindertagesstätten und stört sowohl die Bindung als auch die pädagogisch-erzieherische Arbeit. Die Qualität der rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten ist somit in Gefahr.


Kernforderungen der CDU-Landtagsfraktion:

1. Regionale Erhebung des Fachkräftebedarfs in Kindertagesstätten als Planungsgrundlage für die Gliederung und Ausweitung des Angebots der Fachschulen sowie für zielgerichtete Werbemaßnahmen.

2. Bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Erzieherinnenausbildung in eine vergütete duale Berufsausbildung. Dies schafft Attraktivität und bietet die bewährten Vorteile der dualen Berufsausbildung. Darüber hinaus stehen die Auszubildenden den Kindertagesstätten früher zur Verfügung. Parallel müssen qualifizierte Seiteneinsteigerprogramme gestärkt werden (Externenprüfungen).

3. Die Kindertagespflege ist in der Landesförderung den Kindertagesstätten gleichzustellen. Die Landesregierung muss die Voraussetzungen schaffen, dass sich zukünftig Kindertagespflegepersonen zusammenschließen und für ihre berufliche Tätigkeit Räume anmieten können.

4. Erzieherinnen sollten von bürokratischen Tätigkeiten durch die Anstellung von Verwaltungsfachkräften insbesondere in großen Kindertagesstätten entlastet werden. Hier muss das Land Anreize schaffen, um die Trennung von Verwaltung und pädagogisch-erzieherischer Arbeit zu fördern.

5. Erzieherinnen brauchen eine kontinuierliche qualifizierte Berufsbegleitung, um dauerhaft den Herausforderungen des Erzieherinnenberufs gewachsen zu sein.